Test: Sony Alpha 700
Regelmäßige Besucher dieser Seite werden es schon bemerkt haben: ab und zu veröffentliche ich hier neuerdings auch Berichte über meine Erfahrungen mit verschiedenen photographischen Geräten. Gerade hatte ich für vier Wochen Gelegenheit, die Sony Alpha 700 auszuprobieren. Leider konnte ich diese Zeit nicht in der Camargue verbringen, so daß die Testaufnahmen hier in Hamburg entstanden sind. Aber keine Sorge, bald gibt es neue Bilder aus Südfrankreich…

Im Test: Sony Alpha 700
Nun zur Alpha 700:
Trotz des in Hamburg permanent schlechten Wetters habe ich mir einen guten Eindruck von der neuen Alpha 700 verschaffen können. Dies soll allerdings kein techniklastiger Bericht werden. Ich möchte einfach von meinen praktischen Erfahrungen mit dem neuen Modell berichten.

Zunächst einmal war ich beim Auspacken der Kamera angenehm überrascht. Die Alpha 700 passt gut in meine Hände und fühlt sich sehr stabil an. Es gibt z. B. kein Knarzen, wenn man etwas kräftiger zupackt, und das Gehäuse ist für meinen Geschmack groß genug. Ich mag diese kleinen Bodys einfach nicht. Manchmal weiß man da gar nicht, wohin mit den Fingern.
Die neue Sony ist ein wenig größer, als meine geliebte D7D, aber gleichzeitig auch etwas leichter. Vom reinen „Anfassgefühl“ kommt mir die Minolta allerdings immer noch ein ganz klein wenig stabiler vor, was aber am höheren Gewicht liegen mag.
Die nächste Überraschung: Das riesige 3 Zoll-Display auf der Rückseite der Kamera. Das Teil ist wirklich klasse und eignet sich sowohl zur ersten Beurteilung der Bilder, als auch als Informationszentrum für die Kameraeinstellungen. In Verbindung mit dem neuen „Joystick“ und der Funktionstaste lassen sich hier alle Funktionen schnell aufrufen und unkompliziert einstellen.
Bislang habe ich immer Kameras bevorzugt, die für jede Einstellung ein eigenes Rädchen hatten. Jetzt muss ich da wohl umdenken, denn Sony hat es tatsächlich verstanden, die Bedienung über das Menü so gut zu gestalten, dass ich fast immer diesen Weg gewählt habe. Die zusätzlich verfügbaren Direktwahltasten für die Bildfrequenz (Geschwindigkeit), Belichtungskorrektur, Weißbalance und Empfindlichkeitseinstellung habe ich nur selten benutzt. Trotzdem haben diese vier Tasten ihre Daseinsberechtigung. Wenn man mit der Kamera so vertraut ist, dass man diese Tasten blind trifft, lassen sich die genannten Funktionen anpassen, ohne die Kamera vom Auge zu nehmen, denn die einzustellenden Werte finden sich auch im Sucher.
Erfreulich: Die Belichtungskorrektur wird in Form der altbewährten Lichtwaage dargestellt. Schade finde ich allerdings, dass es keine permanente Anzeige des eingestellten ISO-Wertes im Sucher gibt.
Was mich ein bißchen stört, sind die Motivprogramme, die am links befindlichen Wählrad eingestellt werden können. Braucht die wirklich jemand? Aber was soll’s, auf diesem Wählrad lässt sich auch die Memory-Funktion anwählen. Hier können drei vom Benutzer eingestellte Voreinstellungen abgelegt werden. Mir wäre es lieber gewesen, wenn es anstelle der Motivprogramme für jeden dieser drei Speicherplätze ein Symbol auf dem Rad gegeben hätte.
Alles in allem lässt sich die Alpha 700 wirklich sehr intuitiv bedienen. Gut, ich bin kein Anfänger mehr und ich kenne die D7D, aber ich brauchte nicht ein einziges Mal die Bedienungsanleitung zu Rate zu ziehen, da sich wirklich alle Funktionen sehr leicht erschließen.

Nach diesem ersten “Rundgang” kam der inzwischen aufgeladene Akku in die Kamera und damit stellte sich die nächste Entdeckung ein: der Akku ist ein anderer, als der aus der D7D und auch anders als der aus der Alpha 100. Blöd ist das … aber nur auf den ersten Blick, denn der Ladezustand der neuen Kraftspender wird nicht mehr nur in drei Balken angezeigt, sondern in exakten Prozentzahlen, so dass man immer über die „Restpower“ im Bilde ist. Und immerhin passen die neuen Akkus auch in die Alpha 100.
Beim ersten Blick durch den Sucher habe ich mich schon wieder gefreut, denn der ist so schön groß und hell, wie ich es von Minolta gewohnt bin. Super, dass Sony das beibehält, denn der Sucher (der sollte besser Finder heißen, oder?) ist doch immer noch das zentrale Einstellelement einer Kamera.
Aufgefallen ist mir, dass der Autofokus schneller geworden ist und deutlich treffsicherer arbeitet. Im direkten Vergleich mit meiner D7D hat die Neue jedenfalls viel weniger gezögert und nachjustiert. Beim Druck auf den Auslöser, der übrigens einen sehr gut definierten Druckpunkt bietet, wird sofort scharfgestellt und der gewählte Fokus sitzt! Auch die Anordnung der insgesamt 11 AF-Meßfelder ist gut gelungen, und ich habe keine zusätzlichen Felder vermisst. Natürlich lassen sich die Fokusfelder einzeln anwählen und mit Hilfe des bereits erwähnten Joysticks geht das flott und einfach (auch, wenn man dabei die Kamera nicht vom Auge nimmt).
Schade, dass sich die Wahl der dezentralen Felder nicht fixieren lässt. Mir ist es ab und zu passiert, dass ich aus Versehen den Wählhebel betätigt habe und sich dabei das AF-Feld verstellt hat.
Der zentrale Sensor ist fest einstellbar, und in den meisten Fällen habe ich diesen benutzt und erst nach der Fokussierung den endgültigen Bildausschnitt gewählt.
Eine weitere Verbesserung betrifft das Auslösegeräusch. Im Vergleich zur Minolta D7D und erst recht zur Alpha 100 ist die 700 leiser geworden und klingt viel „satter“, was mir als Naturfotograf natürlich sehr entgegen kommt. In diesem Zusammenhang sehr gut: Das Gehäuse ist nun gegen Feuchtigkeit und Staub abgedichtet. Leider gibt es aber noch keine Objektive, auf die diese Eigenschaft ebenfalls zutrifft …

Im Test: Sony Alpha 700
Von den Objektiven zum Thema Bildqualität ist es nicht all zu weit. Ich war von der ersten Aufnahme, die ich auf dem Monitor sah, begeistert. Der neue Sensor macht seine Sache sehr gut. Besonders hat mich dabei natürlich gefreut, dass die Alpha 700 auch mit meinen teilweise 20 Jahre alten Minolta-Optiken zusammenarbeitet. Zumindest bei Freihandaufnahmen trägt auch der ins Gehäuse integrierte Verwackelungsschutz (AS) zur Bildqualität bei. Hier wünsche ich mir allerdings, dass sich der AS bei Benutzung eines Stativs selbsttätig deaktiviert, denn mir ist aufgefallen, dass der eingeschaltete AS bei manchen Stativaufnahmen zu einer Qualitätsminderung führt.
Sony Alpha 700 mit 150mm, Blende 6,7 bei 1/90 s und 100 ISO
100%-Auschnitt aus dem oben gezeigten Bild
Sony Alpha 700 mit 50mm, Blende 6,7 bei 1/250 s und 800 ISO
100%-Auschnitt aus dem oben gezeigten Bild
Sony Alpha 700 mit 135mm, Blende 6,7 bei 1/90 s und 100 ISO
100%-Auschnitt aus dem oben gezeigten Bild
Fazit
Insgesamt bin ich von der Alpha 700 sehr angetan. Sony ist es gelungen, einen echten Nachfolger für die in die Jahre gekommene D7D zu präsentieren – auch wenn es noch einige kleinere Punkte für die nächste „Modellpflegerunde“ gibt.
Sony sollte jetzt unbedingt am Ball bleiben und auch die zur Alpha 700 passenden Objektive bringen! Ganz weit vorne auf meiner Wunschliste steht da die Wiederauflage des 4,5/400er!
In einem Satz: Die Alpha 700 ist die beste Minolta, die Sony je gebaut hat!
7 Kommentare »
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Hi Andreas,
prima Erfahrungsbericht, zumal Du auch die 7D nutzt.
Jetzt interessiert mich: wirst Du die 7D gegen die Alpha 700 eintauschen?
Viele Grüße,
Ralf
Kommentar by Ralf — 8. Februar 2008 @ 11:37
Hallo Ralf,
Du stellst mir da eine schwierige Frage, denn momentan bin ich noch unentschieden, welches meiner beiden bisherigen Gehäuse ich behalten werde. Im Grunde genommen sträubt sich in mir einiges dagegen, die 7D auszutauschen, aber die Alpha 700 ist deutlich besser, so daß die Minolta wohl kaum noch zum Einsatz kommen würde…
Ich weiß es einfach noch nicht.
Gruß
Andreas
Kommentar by andreas — 8. Februar 2008 @ 11:42
Hi…
Vielen Dank….genialer Bericht
bin nach langer abwenenheit (Minolta XG M)
und Jahren bei Nikon wieder zurück bei der Minolta (Sony) Fangemeinde
hast Stärken und Schwächen getroffen!
bleibt zu hoffen das es bei genügender Stückzahl bald bezahlbare lichtstarke optiken gibt!!
Gruß Thom
Kommentar by Thomas — 15. Juni 2008 @ 21:55
Hi Andreas,
bin gerade auf der Suche für einen Nachfolger meiner D5D. Schwanke zwischen der alpha 300 und 700. Hast Du LiveView schon öfter vermisst?
Kommentar by roldi — 21. Juli 2008 @ 21:49
Moin roldi,
kurze Antwort: nein, ich habe LiveView noch nie vermisst. Mir ist immernoch der Sucher (Finder) lieber, und wenn’s nötig ist eben der Winkelsucher
Gruß
Andreas
Kommentar by andreas — 22. Juli 2008 @ 04:33
Hallo,
sehr schöner bericht eines “gleichbetroffenen”. Ich kann dir nur einen Tipp geben. Behalte die D7D als Zweitkamera – es wäre zu schade!
Bernd (D7D & a700-User)
Kommentar by Bernd — 1. Januar 2009 @ 17:39
Hallo, bin durch Zufall auf Ihre Website gestoßen.
Den Erfahrungsbericht kann ich nur in allen Punkten bejahen. Bin mit meiner Alpha 700 sehr zufrieden und muss als Jahrelanger Nikon D70 Nutzer sagen, das es Sony geschafft hat mich von Nikon auf den Pfad der Alpha Nutzer zu bringen.
Gruß Tino
Kommentar by Tino — 19. April 2009 @ 19:27