Pferde, Stiere, Gardians

 

Daß sich das Camargue-Pferd bis heute seine Ursprünglichkeit bewahren konnte, liegt sicher auch mit an der isolierten und lange Zeit unzugänglichen Lage dieser Region. Die halbwilden Herden leben seit Jahrhunderten halbwegs ungestört von menschlichen Einflüssen unter härtesten Bedingungen und haben sich perfekt an diesen Lebensraum angepasst.

Ebenso von diesem Lebensraum geformt, sind die Camargue-Stiere, die ebenso wie die Pferde fast wild in Herden, den sogenannten „manades“ hier im Grasland und den Sümpfen der Camargue leben. Diese Stiere sind kleiner und schlanker, als ihre spanischen Verwandten und erreichen selten mehr als 1,30 Meter Schulterhöhe. Das Fell ist ist immer dunkel, oft schwarz. Die Hörner sind typischerweis lang, spitz zulaufend und lyraförmiggebogen.

Diese Tiere konnten nie domestiziert werden, und die Rasse hat nur deshalb überleben können, weil sie in der Camargue eine große Rolle bei Stierkämpfen und Festen spielt, und die Menschen hier noch fest in ihren Traditionen verwurzelt sind und diese achten und pflegen.

Heute gibt es in der Camargue etwa 15.000 der schwarzen Stiere.

Der Begriff „Manade“ wurde mir auf unterschiedliche Weise erklärt. Beide Versionen, die ich kenne, leiten sich vom lateinischen Wort „manus“ (Hand) ab. Die eine Erklärung besagt, daß man erst ab fünf Stieren (soviel, wie eine Hand Finger hat) von einer Herde spricht, die andere sagt, daß der Mensch die Hand über die Manade hält, sie schützt, aber gleichzeitig auch „das Sagen“ darüber hat…

Die Aufzucht der Stiere, wie auch der Pferde, ist sehr arbeitsintensiv und wird von 120 „manadier“ genannten Züchtern betrieben. Die Hirten der Tiere, „gardians“ genannt, genießen großes Ansehen, und zu der Zeit, als ich die Camargue kennen lernte, war es schon eine Auszeichnung, als Gast auf eine Ferrade eingeladen zu werden.
Erst seit einigen Jahren sind immer mehr Züchter, durchaus zögernd und wohl aus wirtschaftlichen Schwierigkeiten heraus, dazu übergegangen, diese Feste auch für Touristen zugänglich zu machen.

Bei einer Ferrade werden aus einer Herde die jungen, einjährigen Stiere separiert und mit dem Brandeisen (Eisen = Fer) markiert.

Normalerweise werden pro Ferrade nur fünf Jungstiere eingefangen, was für die ansässigen Jugendlichen erstens eine Mordsgaudi, gleichzeitig auch soetwas wie eine Mutprobe bietet. Diese Limitierung bietet die Möglichkeit, am kommenden Wochenende (oder am nächsten Feiertag, oder mittwochs, manchmal auch am Donnerstag oder Dienstag, oder wenn das Wetter gut ist…) eine weitere Ferrade stattfinden zu lassen.

Hierbei kann man dann auch sehen, wie gut die Pferde für diese Arbeit geeignet sind, und wie die Reiter mit ihren Tieren harmonieren. Sie lenken die Pferde übrigens mit eng am Hals des Tieres anliegenden Zügeln und überwiegend durch Gewichtsverlagerung, was es möglich macht, eine Hand für den Trident, mit dem die Stiere gelenkt werden, oder auch für den Hut oder sonst etwas, frei zu haben.

 

 

 

 

Aber nicht nur die Pferde und die Art sie zu reiten sind hier speziell, auch die Sättel der Gardians sind anders, als man sie sonst kennt. Der Camarguesattel gilt als der wohl bequemste überhaupt. Er ist sowohl vorne als auch hinten relativ weit hochgezogen und kräftig gepolstert, und er hat eine komfortable Rückenlehne, die einen besonders guten Sitz erlaubt. Jeder Sattel ist eine Einzelanfertigung für den jeweiligen Reiter und entsprechend kostspielig. Die Steigbügel sind offene Halbkörbe, in denen der Fuß guten Halt findet, aber nicht hängen bleiben kann, wie in unseren offenen Bügeln.

Anschließend wird kräftig gefeiert, inklusive des taditionellen, unblutigen (zumindest für den tierischen Hauptakteur) Stierkampfes, der Course Camarguaise, und bei gutem Wein, regionalen Spezialitäten, wie dem „Gardianne de Taureau“ oder auch der unvermeidlichen Paella, Pastis und Musik, kann man noch lange beieinander bleiben…

Alle Aufnahmen entstanden auf der Manade de Meyranne.

—————————————————————————————————-

Weitere Fotostrecken finden Sie im Inhaltsverzeichnis

Sie betreiben eine eigene Webseite?

Ich würden mich freuen, wenn Sie das Wort Camargue auf Ihrer Seite mit http://www.camargue-photos.de verlinken.

18 Comments

  1. Carmen
    25. Mai 2007

    Hallo Andreas,

    sehr beeindruckende Fotos. Super Qualität.
    Besonders gefällt mir das Pferd im Wasser und
    das SW-Foto von Pferd und Reiter!
    Gruß aus HH
    Carmen

    Antworten
  2. andreas
    20. August 2007

    Danke Carmen,
    freut mich, daß Du die Qualität der Bilder lobst, besonders, da es sich ausnahmslos noch um Ergebnisse aus der „guten, alten“ analogen Zeit handelt…
    Gruß
    Andreas

    Antworten
  3. annie traut
    16. Oktober 2007

    Hallo,

    Ich find die Seite eigtl. total gut. Aber nur n kleiner TiPp(?), vielleicht würde ein anderer hintergrund schon alles etwas interessanter machen?
    Die Bilder sind echt interessant, und auch die Texte dazu!

    Gruß,
    Annie

    Antworten
  4. andreas
    16. Oktober 2007

    Hallo Annie,

    freut mich, daß Dir die Seite „im Prinzip“ gefällt. Was den Hintergrund betrifft, habe ich versucht, eine möglichst neutrale Farbe zu wählen, um nicht mit den Bildern in Konflikt zu kommen. Ich wäre aber für Tipps und Rückmeldungen dankbar.

    Gruß
    Andreas

    Antworten
  5. Anonymous
    23. Oktober 2007

    das is ja nit soo spannend gestaltet.

    Antworten
  6. patricia
    8. Januar 2008

    Coole Pferde leben in der Camargue

    Antworten
  7. Richard
    12. Januar 2008

    Deine Kommentar zur Pferde, Stiere, Guardians hat mir sehr beeindruckt als ehmaliger Camarguebesitzer. Freut mich immer wieder sachliche berichte zu lesen.

    Richard

    Antworten
  8. lorena
    23. Januar 2008

    Hallo
    Ich finde sie Seite toll besonders die Beiträgo zu denn Pferden und Reitstillen. Da ich selbst reite ist das sehr interressant.
    Weiter so!

    Lorena

    Antworten
  9. andreas
    23. Januar 2008

    @Lorena:
    …worauf Ihr Euch verlassen könnt;-)
    Im März geht es wieder in die Camargue, und ich hoffe daß ich die Pferde dann auch während ihrer Paarungszeit und den damit verbundenen Kämpfen der Hengste photographieren kann.

    Andreas

    Antworten
  10. Yvonne
    17. Mai 2008

    Diese Seite ist einfach traumhaft. Eine einzige Liebeserklärung an die Camargue.

    Antworten
  11. andreas
    18. Mai 2008

    @Yvonne: Danke schön, genau so ist es auch gedacht 😉

    Andreas

    Antworten
  12. vivi
    29. Mai 2008

    Hallo,
    auch mein Lob, das ist eine sehr ansprechende seite.

    Habt ihr einen Tipp zu einem guten Sattler für Camarguesättel?

    libe grüße vivi

    Antworten
  13. Jule
    16. Juli 2008

    hey, also ich find die seite voll cool!!!!!!
    hab alleine aus den infos ein ganzes referat erstellt und soga ne 1 bekommen!!!
    voll cool!!!
    die bilder sind alle voll suppi =)
    glg Jule

    Antworten
  14. andreas
    16. Juli 2008

    @Jule,
    na das freut mich, daß Dir die Seite bei dem Referat so gut geholfen hat 🙂
    Auch daß Dir meine Bilder gefallen freut mich natürlich sehr. Guck mal wieder rein…

    Liebe Grüße
    Andreas

    Antworten
  15. Susanne
    17. September 2008

    Hallo Andreas,
    ein Zufall hat mich auf diese Seite geschubst, viele Grüße von Camargue-Fan zu ebensolchem. Wenn’s recht ist, werde ich deine Seite verlinken. Tolle Fotos auf ganz hohem Niveau, hier sieht man nicht nur hochwertige Ausrüstung, sondern auch viel, viel Geduld, Erfahrung und ein gutes Auge, auch für den Ausschnitt, kann man neidisch werden. Glückwunsch.

    Antworten
  16. Lena
    11. Oktober 2010

    Hallo!
    Die Bilder sind echt super! Ich bin selbst ein riiiiesiger Camargue (Pferde=)) – Fan und freue mich schon auf meine nächsten Ritte am Strand von saintes-maries-de-la-mer

    Liebe Grüsse aus der Schweiz

    Antworten
  17. Isabel
    21. April 2017

    Danke für diese wunderbaren Bilder und den informativen Text. Ich ritt/arbeitete in den 1970ern mit den Guardiens und heute habe ich eine Camarguestute und dazwischen liegen viele Besuche in der Camargue, der letzte allerdings vor 20 Jahren. Ihre Bilder zeigen die Camargue, wie sie in meinem Herzen überlebt hat.

    Antworten
    1. Andreas Lettow
      21. April 2017

      Hallo Isabel,
      herzlichen Dank für Deinen freundlichen Kommentar. Und ich kann Dir versichern, daß die Camargue, zumindest abseits der Touristenströme, nichts von ihrem besonderen Charme eingebüßt hat. Vielleicht lohnt es sich ja, mal wieder dorthin zu fahren?
      Liebe Grüße
      Andreas

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.